Vorwort von Prof. Dr.-Ing.
Cord Meckseper
Vorwort von Prof. Dr.-Ing.
Cord Meckseper
In der Erforschung von Burgen und Pfalzen hat die deutschsprachige Forschung eine hervorragende Stellung erlangt. Historische Forschung, Mittelalterarchäologie und Kunstgeschichte, vorrangig aber die baugeschichtliche Forschung hat sich dabei im Besonderen Einzelanlagen zugewandt. Umfassendere Synthesen haben dagegen noch häufig eher vorläufigen Charakter. Dies liegt nicht nur daran, dass für sie zunächst einmal festerer Grund zu legen war, sondern auch daran, dass die seitens der realienorientierten Archäologie und Bau- und Kunstgeschichtsforschung zu Tage gebrachte Vielfalt an baulichen Erscheinungsformen zunächst eine gewisse Abneigung gegenüber übergreifenden Bautypologien zur Folge hatte.
Nur ansatzweise erfuhr daher auch der Saalbau („Palas“) als zentraler Lebens- und Handlungsort eingehendere Untersuchung. Hier für das nördliche Stauferreich eine Darstellung unter gebäudetypologischen Gesichtspunkten zu erarbeiten, war das Ziel der vorliegenden Monographie. Da kein einziger Saalbau vollständig erhalten geblieben ist, musste sich ihre Verfasserin immer wieder mit einer höchst ungenügenden Dokumentationslage und einer häufig widersprüchlichen Forschungssituation auseinandersetzen - eine Aufgabe, der sie sich mit großer Eindringlichkeit gestellt hat: Erstmals wird nunmehr der Saalbau, auf umfangreich vergleichenden Recherchen aufbauend und systematisch durchdacht, zur Darstellung gebracht.
Damit ist ein tragfähiges Fundament für denkbare Antworten auf zahlreiche weiterführende Fragen gegeben. So tritt für den Historiker klarer als bislang der bauliche Rahmen höfischer Kommunikations- und Herrschaftsrituale hervor. Gleichermaßen dürfte dies den Literaturwissenschaftler interessieren, dem sich deutlicher die räumliche Struktur vieler in der Epik, z. B. im „Parzival“, „Tristan“ oder „Nibelungenepos“ überlieferter Saalszenen zu erschließen vermag.
Eine vertiefte Rezeption der vorliegenden Arbeit ist daher nicht zuletzt auch auf Seiten der mediävistischen Nachbardisziplinen zu erhoffen.
Hannover, im Januar 2007
Prof. Dr.-Ing. Cord Meckseper